Wednesday, September 09, 2009

Mein Praktikum war die ersten 2 Wochen toll.
Diese Woche ist die Hölle.

Zur kurzen Erklärung: 3 Wochen Praktikum in Nagoya, 4 Arbeitstage die Woche, bei einer Firma für Vorhänge, Tapeten, Stoffe und Bodenbeläge. Jede Woche eine neue Abteilung. Ich und noch ein anderes Mädel, mit dem ich mich zum Glück hervorragend verstehe.

Woche 1: Besichtigung der Produktionsstätten, Einführung in die Arbeitsabläufe. Verantwortlich für uns: Herr Kojima (sehr humorvoll, hat uns sofort ins Herz geschlossen, und wir ihn auch) und Baby (heißt anders, sieht aber aus wie Baby aus Dirty Dancing bei ihrem Abschlusstanz).
Großartig.

Woche 2: Interior Design. Vorbereiten von Musterkollektionen und Design eines Apartments. Besuch von Showrooms. Verantwortlich für uns: Yurie, die 2 Jahre in Deutschland studiert hat und fließend Deutsch spricht. Immer für uns da, immer mit Rat und Tat zur Stelle: Die Abteilungsleiterin.

Wir waren auf 2 Nomikais (After-Work-Party). Einmal mit Team Woche 1, einmal mit Team Woche 1 und Team Woche 2. Beide waren super lustig und toll. Morgen gehen wir nochmal mit Team Woche 1 in kleiner Besetzung. Wird auch toll.

Aber......

Ich kopiere mal dreist aus einer Mail an meine Familie:


Wir sind diese Woche im Showroom. Also 2 Stockwerke, auf denen die ganzen Produkte ausgestellt sind, und ein kleines Kabuff, in dem von allen Produkten Proben gelagert und bei Bedarf rausgesucht und zusammengestellt werden.

Die Weiber hier sind so dumm, dass man es sogar als Ausländer spürt.
Dazu sind sie sowas von unverschämt zu uns!!!

Im Gegensatz zu den vorigen Abteilungen hat sich uns der Abteilungsleiter nicht persönlich vorgestellt, auch die stellvertretende Abteilungsleiterin nicht. Nicht mal namentlich.
Kein Mitarbeiter ist uns als Ansprechpartner zugeteilt.
Sie wissen kaum, was für Arbeit sie uns geben sollen. Dabei könnten wir ihre Arbeit eigentlich allein machen, denn Zahlen in Formulare eintippen, Zahlen entsprechend Pröbchen aus dem Schrank nehmen, in eine Plastiktüte tun, rausrennen und "Ich habe Sie schrecklich lange auf Ihre Proben warten lassen." sagen, das kriegen wir auch noch hin....und tun es bereits.
Am ersten Tag haben sie uns als erstes irgendwie danebenstehen lassen, während die eine ein Beratungsgespräch geführt hat. 2 Stunden standen wir. Sie bewegte sich wenigstens, aber wir mussten auf der Stelle stehen und nichts tun.
Danach gingen wir ins Kabuff, wo sie sich setzte und den Kundenwünschen entsprechend besagte Zahlen in Formulare eintrug. Wir standen am Rand und warteten. Man hat uns erst mehrere Minuten später einen Platz angeboten. Und verdammt, wir standen IM WEG und 6 STÜHLE waren frei!!!
Wir haben auch nie einen Plan, was wir als nächstes machen werden. Die haben sich NICHTS überlegt, was sie uns machen lassen oder uns zeigen könnten. Dabei gäbe es so viele Beschäftigungen! Zum Beispiel alle Regale durchgucken, welche Proben ausgegangen sind, und dann neue besorgen. Die Regale oben mal vom Staub befreien. Aufkleber mit veralteten Nummern durch neue ersetzen (ok, auf letzteres sind sie gestern tatsächlich selbst gekommen, aber da hat auch eine Mitarbeiterin noch MITGEMACHT, so dass wir nach einer Stunde fertig waren und es wieder nichts zu tun gab....).
Gegen 17:40 am ersten Tag wollten wir (Arbeitszeit bis 17:30) eigentlich langsam mal nach Hause gehen. Die waren ganz verwundert, dass wir nicht bis 18:30 arbeiten. Es hat sich also nicht mal einer informiert, wann wir eigentlich arbeiten!!!
Gegen 17:27 am zweiten Tag latscht eine dieser Tapetenhuren ins Kabuff zu ihrer Kollegin (1m neben uns) und meint so auf Japanisch "Was ist mit den beiden? Haben die bis halb 6 oder halb 7?" ("den beiden" ist auf Japanisch wesentlich unhöflicher als im Deutschen, alle anderen haben entweder eine höfliche Form davon benutzt oder, meistens, unsere Namen, die kannten nämlich bisher alle SOFORT.Abgesehen davon frage ich mich, wie denen entgangen sein kann, dass ich jedes Wort verstehe, das sie sagen???) Die andere gab auch keine Antwort, aber höflichkeitstechnisch darf ich da eben auch nicht reinblöken "halb 6!".... Ich nahm an, dass die, wie es üblich ist, das klären und wir gehen dürfen.
Selbige Tapetenhure meint um 17:35, dass sie dann jetzt Feierabend macht. Quatscht noch den Rest mit ner Kollegin ab, wir (seit 15 Minuten wieder OHNE WAS ZU TUN!!!) sitzen blöd rum und gucken erwartungsvoll in die Gegend, wer denn jetzt, wie die letzten Wochen, freundlich lächelnd zu uns sagt "So, das war's für heute. Vielen Dank, es hat viel Spaß gemacht. Wir hoffen, für Euch war es auch ein bisschen interessant. Dann bis morgen.", wie es in Japan ausländischen Praktikanten gegnüber üblich ist, zumindest in dieser Firma.

Nichts.

Sie packt ihre Tasche. Jetzt sehen wir unsere Chance, sprechen sie an und meinen "Sollen wir dann jetzt auch gleich gehen?"
Sie guckt uns genauso schlau an, wie sie tatsächlich ist. "Wieso?"
"Wir.... haben um halb 6 eigentlich Schluss. Natürlich, wenn noch was zu tun ist...."
"Wieso, habt ihr 8:30 angefangen?"
"Nein, aber unsere tägliche Arbeitszeit ist 9:30-17:30."
"Aber ihr seid doch gestern schon 17:30 nach Hause gegangen."
"Naja, wir sind, seit wir hier sind, jeden Tag 17:30 nach Hause gegangen. Weil eben unsere Arbeitszeit so geregelt ist."
"Ach so."

...
.....

Aber niemand sagt uns, dass wir jetzt gehen dürfen.
17:45.
Die Uschis gambatten irgendwelche Papierstöße gerade und ähnliches. Wir haben inzwischen unsere Taschen genommen und da niemand irgendwie auf uns reagiert, sagen wir dann "...also....wir....äh....würden dann jetzt sonst gehen...."
Da meint eine "Moment noch, wir überprüfen gerade noch, ob ihr wirklich schon gehen dürft."

???

Die haben also anscheinend echt gerade jemanden angerufen (vermutlich Baby), um herauszufinden, ob wir verdammten Drecksausländerfaulsackschweine nicht ne Stunde blaumachen wollen!!!

Einige Minuten später geht die Tür zum Kabuff auf und eine der Tapetenhuren guckt uns an, formt mit den Fingern ein Ok-Zeichen und meint "Es ist ok."
Was also wirklich in dem Moment so viel hieß wie "Es wird euch erlaubt, jetzt zu gehen."

Es kam also von ihrer Seite nicht mal sowas wie "Ach so, dann könnt ihr also jeden Tag schon so früh gehen, das wussten wir nicht." oder , was ich erwartet hätte, eine Entschuldigung dafür, dass man das erst erfragen musste.

Nein, dummdreist wird uns da gnädig erlaubt, was vertraglich vereinbart ist und bis jetzt nie ein Problem war.

Ich bin so unglaublich wütend auf diese Frauen!

So was unverschämtes hab ich in Japan selten erlebt, und es stellt einen dermaßen krassen Gegensatz dar zu dem, was hier in den ersten 2 Wochen in der Firma für uns getan wurde.

Alle hatten sich richtig Gedanken gemacht, wie man das, was sowieso getan werden muss, damit verbinden kann, uns was zu zeigen, uns auch was arbeiten zu lassen, bei uns viel nachzufragen, wie das in Deutschland ist, und so weiter und so fort.

Ich zähle schon morgens die Stunden, bis es vorbei ist, und war diese Woche das erste mal dankbar dafür, dass ich Mittwochs nicht arbeiten muss. Was die Schafe natürlich auch nicht wussten. Das musste ich ihnen auch erst sagen.

Wäre die erste Woche so gelaufen, hätte ich an Informationsschwierigkeiten geglaubt. Aber ALLE in der Firma hatten sich vorab informiert, die wussten schon alles über uns, bevor wir da ankamen, und man war an uns interessiert und immer nett, wir wurden immer mit einbezogen, und jeder, wirklich jeder Team- und Abteilungschef, und selbst der Filialleiter (und Bruder des CEO) sagte "Wir freuen uns, dass ihr hier seid. Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr jederzeit zu mir kommen. Ich helfe euch gern."

HASSHASSHASS!!!!

2 comments:

  1. DAS klingt ja allerdings ganz anders als die letzten Wochen noch o.O Tut mir echt Leid für euch beide! Gibt's denn nochmal 'nen Wechsel oder bleibt ihr erstmal dort?

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  2. Wir bleiben dort. Ist auch nur morgen.

    Heute waren die Damen übrigens plötzlich viel freundlicher.

    Ändert aber nichts daran, dass es keinen Spaß macht, mit ihnen zu reden, weil die SOOOO dämlich sind!!!

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