Wednesday, October 14, 2009

October Blues

In der Woche, bevor ich aus Japan zurückgekommen bin, ist mein Nachbar gestorben. Er war schon sehr alt und es war irgendwie abzusehen. Soweit ich weiß, haben er und meine Eltern etliche Schwierigkeiten miteinander gehabt, aber ich habe davon nie etwas mitbekommen.

In den letzten Jahren habe ich ihn oft auf der Straße getroffen, wenn er auf seinem Fahrrad zum Einkaufen gefahren ist, und er hat mich immer sehr freundlich gegrüßt, was nicht alle Nachbarn aus meiner Straße tun.

Als ich nun erfahren habe, dass er gestorben ist, hat mich das zwar traurig gemacht, aber ich habe es nicht besonders tragisch gefunden. Gestern aber bin ich abends von der Arbeit nach Hause gekommen, und da stand sein Fahrrad vor der Grundstückseinfahrt, offenbar für die Schrottabholung am nächsten Morgen. Als ich das gesehen habe, wurde ich unendlich traurig und konnte nicht aufhören darüber nachzudenken, dass irgendwann sicher auch meine Besitztümer so weggeworfen werden und das, was an mich erinnert, verschwinden wird. Vielleicht ist auch das trübe, regnerische Wetter schuld an meinen seltsamen Gedanken, ich weiß es nicht genau, aber momentan finde ich das ganze Leben furchtbar grau und unangenehm.

Als meine Eltern vom Tod meines Nachbarn erfuhren, haben sie meinen Bruder und mich danach gefragt, ob es lohnen würde, anzufragen, ob man das Grundstück kaufen könne.
Hm.
Wie macht man seinen Eltern charmant klar, dass man NIE NIE NIE KEINESFALLS neben ihnen wohnen wird, bis man alt und grau ist? Wie sage ich freundlich, aber deutlich, dass ich nicht plane, in Deutschland zu bleiben?
Naja, wir haben es vorsichtig und freundlich formuliert, und meine Eltern haben die Botschaft verstanden. Aber irgendwie wirkten sie auch ein bisschen geknickt. Aber, hey, kommt schon. Ich kann doch nicht für den Rest meines Lebens bei meinen Eltern wohnen! Ich tue es doch auch jetzt eigentlich nur, um ihnen die Finanzierung meines Studiums so leicht wie möglich zu machen.....

Alles seltsam hier. Ich hoffe, dass meine Laune sich wieder aufhellen wird, aber wie das eben so ist: Wenn man schwarz sieht, sieht man eben schwarz, und ein Licht am Ende des Tunnels sehe ich nur an dem Ende, von dem ich gekommen bin. Was soll's, Schritt für Schritt voran.....

2 comments:

  1. Wie du willst nicht neben deinen Eltern wohnen??!! Pah. Es kommen Zeiten da sitzt du tausende Meilen weg in einem vor Sonne ständig lachendem Ort mit Strand fast vor der Tür und auch mit netten Leuten umd ich rum und trotzdem heulst du, wenn die liebe Mama dann nach einem 3-Wochen Besuch nicht mehr da ist und du in die leere Wohnung zurück kommst. aaahaaaaahaaaaaa. schneif. Naja. es ist besser. Find ich lustig, dass sie gefragt haben. Hat es Sven denn in Betracht gezogen?

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  2. Äh...vorsichtig ausgedrückt: NEIN!!!

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