So sehr ich das Wort "owned" auch, zumindest im Deutschen, verabscheue, glaube ich, dass es in diesem Fall absolut gerechtfertigt ist.
Ich lach mich tot, ich lach mich schlapp, ich find's toll!!!!
Da gab es doch vor einigen Wochen in etlichen Feuilletons aufgeregte Artikel über eine gerade einmal 17jährige Berlinerin. Der Spiegel nannte sie gleich das "Wunderkind der Boheme".
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Was immer das heißen mag, denn für mich war das eine schnoddrige, verlotterte Zecke.
Aber gut, man kann sagen, was man will, eben jenes Wunderkind der Boheme hatte nun also mit gerade einmal 17 Jahren seinen Debütroman veröffentlicht. "Axolotl Roadkill". Ganz toll.
Aber nicht genug damit, dass die junge Dame damit nun, jedenfalls wenn man den Spiegel-Autoren glauben will, gleich ein Meisterwerk der Charakterisierung des Mobs vom Prenzlauer Berg vollbracht hat, nein, das alles ist ja gerade mal das Tüpfelchen auf dem i -
denn sie hat auch schon ein Theaterstück geschrieben und einen Film gedreht.
Hui.
Echt, ich kann kaum noch vor Ehrfurcht.
Da überschlugen sich also nun die Zeitungen mit ihren Lobhudeleien auf diese gar unendlich intelligente, so ganz und gar unangepasste Frau, die ihre Wohnverhältnisse so passend mit "kapitalismuskompatible Kommune" beschreibt (Dreckspacken-WG ginge auch, wäre aber sicher nur halb so titelstoryträchtig), und konnten kaum noch atmen, so tief warfen sie sich selbst vor der Heldin einer ganzen Nachwendegeneration in den Sand.
Ich saß nur da und hielt mir mal wieder vor Augen, dass es doch nun mal kein Zufall ist, dass der "Jugend forscht"-Preis normalerweise an die Sprösslinge von - na, was wohl? - FORSCHERN vergeben wird. Natürlich, denn in dem Alter braucht man für derart große Projekte nun einmal Hilfe und Anleitung. Natürlich hat jemand, der eine bahnbrechende Entdeckung macht, solch einen Preis auch verdient, auch wenn es in Wahrheit eine Gemeinschaftsarbeit war.
Trotzdem - der Punkt ist eben, dass das kein Beweis für eine besondere Begabung ist, sondern einfach nur für günstige Lebensumstände.
Ebenso ist der Vater der jungen Lady ein ehemaliger Dramaturg der Volksbühne, sie ist also, kurz gesagt, einfach nur in ein günstiges Milieu geboren worden und hat für ihr Stück und ihren Film vermutlich einfach mit Papas Ausrüstung herumgespielt. Als Schulverweigerin (Oh, die Individualität einer Hochbegabten!) hatte sie ja dann auch mehr als genug Zeit, die Kamera lang genug laufen zu lassen, dass man ( = Vati?) was draus schneiden könnte. Ui. Kleine Filme drehen, das haben auch wir normalsterblichen Schüler gemacht. Unsere fünf- bis zehnminütigen Filme erstellten wir für den Musikunterricht in wenigen Wochen, neben dem regulären Schulunterricht. Mit unserer eigenen Ausrüstung.
Ohne mich oder meine ehemaligen Klassenkameraden jetzt über Gebühr zu loben: Hätten wir nebenher keine Schule, dafür aber eine professionelle Ausrüstung gehabt, hätten wir auch einen Kinofilm drehen können.
Abgesehen davon hielten sich die Artikel über das Wunderkind der Boheme erstaunlich mit Aussagen über die Qualität des besagten Kinofilms zurück.
Tja, war wohl nicht so doll.
Jedenfalls ging mir diese fast schon übermenschliche Darstellung eines derart durchschnittlich begabten Menschen, der Unmengen dieser durchschnittlichen Begabung darauf verwendet, seine Nichtmassenkonformität unter Beweis zu stellen, doch sehr auf die Nerven. Haben wir denn wirklich solche Armut in der gegenwärtigen Literaturszene? Ist sie denn das einzige, das wir momentan zu bieten haben?
Übrigens geht es in dem Roman eigentlich nur um eine (natürlich TOTAL kluge) junge Frau, die sich, über das Leben, die Welt und sämtliche nur erdenklichen Arten von Drogen sinnierend, mehr oder minder fröhlich quer durch die Stadt dröhnt und alle standesamtlich registrierbaren Geschlechter in Gefühlskälte oder Gefühlsverwirrung vögelt.
Prima.
Da ist sie eben nur ein paar Jahre zu spät dran, denn dafür haben wir doch nun wirklich Feuchtgebiete. Charlotte Roche habe ich ihre Geschichte auch irgendwie eher abgekauft.
Soweit zur Vorgeschichte.
Als ich heute nun mal wieder die Berliner Morgenpost durchstöberte, fiel mir doch gleich wieder ihr Portraitfoto ins Auge - sie mit langen, strähnigen Straßenköterhaaren, einem unschönen Mitesser am Kinn, und Augen, die derart ins Leere starren, dass ich gar nicht wissen will, womit die Zigarette in ihrer Hand gefüllt wurde.
Nun ja, so muss eine junge Starautorin wohl aussehen, wenn sie als Künstlerin ernst genommen werden will. Jedenfalls gibt einem besagte Fotografie Aufschluss darüber, warum die Hauptfigur des Romans den klangvollen Namen "Mifti" trägt.
Autsch.
Die Artikelüberschrift bringt mich dann erstmal zum Lachen:
PLAGIATSVORWÜRFE
"Axolotl Roadkill" wurde bei Blogger abgekupfert
Der Artikel erklärt, die Autorin habe bei dem Buch eines Bloggers etliche Textstellen abgekupfert. Dabei sind auch Links angegeben, sowohl zu dem tatsächlichen Autoren wie auch zu dem Blogger, der den Schwindel aufdeckt. Ich habe mir das ganze natürlich gleich einmal angesehen und es ist geradezu erschreckend, wie unglaublich dreist ganze Passagen mit nur geringfügigen Änderungen abgeschrieben wurden.
Fazit: Das ganze in den Himmel gelobte Buch ist ein einziger Diebstahl, begangen an einem wesentlich älteren Autoren (Jahrgang 81), dem man zumindest abnimmt, dass er tatsächlich mal im Berghain war. (Es kommt eine Berghain-Szene vor, aber, wie auf dem Blog so richtig angemerkt wird, hat das Berghain die vermutlich strengste Türpolitik der ganzen Stadt, DORT KOMMT NIEMAND UNTER 21 REIN!!!)
Diese dreiste, kleine Diebin.
Wer weiß, wo sie sich die Ideen für ihr Theaterstück und den Film hergeholt hat?
Lustigerweise stand sie nämlich laut Spiegel kurz vor der Einweisung in die Psychiatrie wegen ihrer Schulverweigerung - Ich als Vater hätte da vermutlich 2-3 meiner schlechteren Ideen springen lassen, damit meine Tochter irgendwas hat, was man den Ämtern glaubhaft als kreative Arbeit verkaufen kann, wenn meinem Engel dafür die Zwangsjacke und die Therapien erspart bleiben. Ich will ja nichts beschreien, aber es würde mich eben nicht wundern, wenn sie keineswegs so genial und kreativ ist, wie überall behauptet wird.
Zerknirscht haben sie und der Verlag sich bereits entschuldigt, und auch eine hübsche Ausrede hatte sie parat: Sie findet den wahren Autoren eben so wahnsinnig tolltolltoll. Und das Buch sei ja auch ein Stück weit der Versuch gewesen, mit ihm in Kommunikation zu treten.
Eieieieiei......
Links:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68703781.html
http://www.morgenpost.de/kultur/article1242528/Hegemann-feiert-die-Kommune-im-Kapitalismus.html
http://www.morgenpost.de/kultur/berlin-kultur/article1253197/Axolotl-Roadkill-wurde-bei-Blogger-abgekupfert.html
http://www.gefuehlskonserve.de/axolotl-roadkill-alles-nur-geklaut-05022010.html#more-4775
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